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Frauen und
Sportwagen

Editorial  

Bei Ferrari hat sich der Anteil der Frauen bei den Kunden gemäss
dem aktuellsten Semesterbericht in den letzten 4 Jahren beinahe verdoppelt.
Ich verstehe nicht, warum die Menschen oft Angst vor neuen Trends haben.
Ich habe Angst vor den alten.

Brigitte Bardot im neuen Sportwagen, Frankreich, 1967

Stets bewegt Autofahrer die Frage: In welchen Modellen findet mich das andere Geschlecht wohl attraktiv(er)? Von sexy wollen wir hier gar nicht reden. Einfach nur gefallen – damit wäre schon eine Menge gewonnen. Der Autovermieter Europcar hat hierzu das Meinungsforschungsinstitut Forsa eine Studie machen lassen. Klarer Spitzenreiter in Sachen Anziehungskraft ist das Cabrio. Frauen wirkten darin fast für die Hälfte der Männer (48%) am attraktivsten. Für Frauen wirkt jedoch nur jeder fünfte Mann in einem Cabrio am attraktivsten. Dafür finden Frauen, dass Männer besonders in SUV gefallen. Umgekehrt können Frauen in den grossen Geländewagen gar nicht bei den Männern landen. Magere 5% finden das cool. Klar letzter Platz. Also, meine lieben Frauen, raus aus den Geländewagen.

Was finden den die Männer cool? Jawohl, Frauen in Sportwagen! 16% der befragten Männer finden Frauen darin besonders attraktiv. Das ist immerhin Rang 2. Das gleiche gilt auch umgekehrt: auch Frauen schauen bei einem Mann im Sportwagen gerne zweimal hin. Abgeschlagen am Schluss und damit uncool sind Limousinen sowie – man lese und staune – Männer und Frauen in Autos mit umweltfreundlichem Antrieb.

Was sagt uns das nun? Und wie steht es um Frauen bei der Marke Ferrari?

In 2018 zeigte das Museo Enzo Ferrari in einer Ausstellung «La Rossa e il Rosa» die besondere Beziehung von Frauen zu Ferrari mithilfe von Bildern von prominenten Ferrari-Fahrerinnen und dazu viele Ferrari-Oldtimer-Goldstücke, so wie den von Zsa Zsa Gabor geliebten 357 MM und mehrere GT-Rennmodelle, einen 488 Challenge und einen 458 Italia mit Saugmotor der schottischen Sängerin Amy Macdonald.

Als Evidenz der anhaltenden Verbindung zwischen Frauen und dem Cavallino hat die Ausstellung «Il Rosso & il Rosa» einige der Autos gebündelt, die von unvergesslichen Frauenfiguren am meisten geliebt wurden. Diese Begeisterung begann in den 1950er Jahren, als Ferrari zu einer glamourösen Ikone wurde, die untrennbar mit den Stars des Kinos verbunden war: Anna Magnani und der Ferrari 212 Inter von 1951, die Hollywood-Schauspielerin Norma Shearer und der 250 GT Berlinetta «Tdf» von 1956. Auch Ingrid Bergman hatte während des Automobilsalons in Paris das einzige gezeigte Modell für sich geordert, eine Berlinetta 375 Mille Miglia. Das war aber 1954, als sich noch niemand wegen Feminismus stritt und Frauen, zumindest die, die es sich leisten konnten, statt sich darüber Gedanken zu machen, wo die Männer sie noch ausbremsten, lieber den schnelleren Sportwagen als sie fuhren.

Wie man vernehmen kann, soll es auch heute Ferrari-Kundinnen geben, die zu dem Ferrari-Showroom-Händler ihres Vertrauens nach Urdorf kommen, einen Vertrag unterschreiben inklusive Anzahlung, um dann ihren Mann anzurufen: Schatz, ich habe mir gerade einen Ferrari gekauft. Anderthalb Jahre später kommt dieselbe Ferrari Kundin mit ihrem Ferrari Portofino nach Urdorf in den Service und ruft: Schatz, schau Dir doch den schönen blauen Ferrari Roma an. Leider kam es nicht zum Abschluss; der Kontrabass des Berufsmusikers fand im eleganten Flitzer leider keinen Platz. Beeinflusst von einer autofeindlichen Gesellschaft, die bei uns in der Schweiz seit Jahren erfolgreich ein schlechtes Gewissen in unsere Köpfe hineingezwängt hat, wird jede aufblühende Auto-Liebe in Schweizer Frauenherzen sofort vernichtet. Ich betone «Frauenherzen», weil die Frauen nicht selten die Ersten sind, wenn es darum geht, die Welt zu retten und das Böse zu verdrängen.

Kennen Sie den Neunziger-Jahre-Kultfilm «Basic Instinct» mit Sharon Stone und Michael Douglas? Natürlich kennen Sie ihn, es gibt doch diese eine wunderhübsche Szene, in der Sharon Stone in ihren Lotus Esprit steigt, um einer engen kalifornischen Küstenstrasse entlangzurasen, verfolgt von einem entschlossenen Michael Douglas, der mühevoll ihren Überholmanövern folgend laut schreiend vor Entsetzen aufgeben muss.

Gerne erinnere ich auch an die Filmszene aus dem James Bond Film GoldenEye mit dem roten Ferrari F355 GTS mit hellbraunem Innenraum, mit dem sich die hübsche Xenia gegen den Aston Martin DB5 von James Bond (Pierce Brosnan) auf der Strasse in Richtung Monte Carlo ein Rennen liefert. Auch hier gab der Mann, immerhin 007, auf, allerdings um sich etwas intensiver um seine Beifahrerin, der Psychologin vom MI5, zu kümmern.

Wie stelle ich mir eine Ferrari-Kundin vor? Es sind Frauen mit einigen Gemeinsamkeiten: Sie haben eine sehr starke Persönlichkeit, sie fühlen sich wohl in ihrer Haut und sie kaufen keinen Ferrari, um gesehen zu werden, um eine Marke zu präsentieren. Sie wollen sich selbst sein, haben Erfolg im Beruf und im Leben und sehen nicht ein, warum sie sich nicht das gleiche faszinierende Auto kaufen sollen wie männliche Alpha-Tierchen.

Frauen des Clubs «Arabische Gazellen» werden als der erste rein weibliche Supercar-Club angepriesen. Wohlverstanden: nicht in USA oder in China, sondern im arabischen Raum. Die Arabischen Gazellen wurden 2016 im Nahen Osten gegründet und haben eine Warteliste, um ihrem Club beizutreten. Die Frauen kommen aus allen Berufssparten. Derzeit sind sie über 50 Mitglieder. «Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für das Fahren von Hochleistungsautos», sagt die Gründerin der Gazelles, Hana Mazouzi aus Dubai. Die Mitglieder dieses exklusiven Clubs nehmen an Hersteller-Testfahrten und Track-Days teil.

Wenn man eine Frau sieht, die ein teures Hochleistungsauto fährt, könnte man allzu oft annehmen, dass es das Auto ihres Mannes ist. Im Fall der Gazelles sind mehr als 80 Prozent der Mitglieder selbständige Unternehmerinnen. Jede Frau steuert ihren eigenen Supersportwagen. Und den wollen sie bis an die Grenzen ausreizen, nicht gemütlich über die Strasse schlendern.
Deshalb nehmen sie als Gruppe oft an Streckenfahrten, Medienfahrten und Erlebnissen teil. Zu den Autos, die sich für den Club qualifizieren, gehören Porsche, Lamborghini, Rolls-Royce, Bentley, McLaren, Aston Martin, Maserati und Bugattis.

In China sind es in der Nach-Covid-19-Phase gerade die Frauen,
welche das Wachstum im Luxus-Sportwagensegment ankurbeln. Egal, ob Ferrari, Porsche, Bugatti oder Mercedes: Das Durchschnittsalter der chinesischen Kunden ist etwa 35 Jahre alt. Sie sind fast eine Generation jünger als die Kunden, die wir in den USA, in der EU oder hier in der Schweiz haben, und sie leben in einem digitalen Zeitalter, was bedeutet, dass sie eine höhere Präferenz für Innovation und Digitalisierung haben.

Bei Ferrari hat sich der Anteil der Frauen bei den Kunden gemäss dem aktuellsten Semesterbericht in den letzten 4 Jahren beinahe verdoppelt. Ich verstehe nicht, warum die Menschen oft Angst vor neuen Trends haben. Ich habe Angst vor den alten.