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Miles Davis —
Der Unkonventionelle

Editorial  

Soundmagier, Stilikone, Legende – Miles David verkörpert die grossen Superlative,
ist Mythos, Genie und der wahrscheinlich bekannteste Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts.
Er prägte eine ganze Generation und zog mit seiner Musik die Massen in seinen Bann.
Vor 30 Jahren, am 28. September 1991, starb der Ausnahmekünstler im Alter von 65 Jahren.
Seine Geschichte ist eine von Höhen und Tiefen, von Rausch, Ruhm, grosser Musik und grossen Lieben.
Unter anderem zu Ferrari.

«Das Ziel kann nicht sein, im Stillstand zu verharren und Sicherheit zu erlangen”, sagte Miles Davis einmal. “Wenn man kreativ bleiben möchte, muss man die Veränderung suchen.» Man kann mit Fug und Recht behauptet, dass der 1926 in Alton im US-Bundestaat Illinois geborene Jazzmusiker das bis zum Ende seines Lebens konsequent gelebt hat. Miles Davis war seiner Zeit stets voraus, schrieb mit «Birth of Cool», «Walkin», «In a Silent Way» oder «Round about Midnight” Musikgeschichte. Er war der Mann, der den Jazz cool machte, ein Getriebener, der eigenwillig seinen Weg ging. Seine Erfolge waren bahnbrechend. Unvergessen sein gefeiertes und stilbildendes Album «Kind of Blue», das 1959 erschien und das bis heute das meistverkaufte Album der Jazzgeschichte ist.

Bereits zu dieser Zeit kann er sich die Musiker, mit denen er zusammenarbeitet, aussuchen; sie stehen Schlange. Es entsteht legendäre Konstellationen, unter anderem das Quintett mit John Coltrane, Cannonball Adderley, Bill Evans, Paul Chambers und Jimmy Cobb. Jeder dieser Musiker für sich wird später zu den berühmtesten Jazzern der Welt gehören. Das Album «Kind of Blue» war der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die 15 Jahre früher in New York, genauer gesagt in Harlem begann, wo er in den Clubs der 52nd Street jede Jamsession spielte, die sich anbot. 1945 bekam er dann die Möglichkeit, seine erste Platte einzuspielen. Die Geburtsstunde einer Weltkarriere.

MUSIKALISCHE WEITERENTWICKLUNG
Seine Kollegen und das Publikum besticht Davis immer mit seiner unverwechselbaren, akustischen Trompetenstimme, mal gedämpft, mal modern, mal verzerrt. Der Bruch mit den etablierten Traditionen des Jazz wird dabei sein Markenzeichen. Er lässt sich stets vom aktuellen Zeitgeschehen inspirieren und interpretiert neue Einflüsse auf seine unnachahmliche Art und Weise. Als die Elektronik Einzug in die Pop- und Rockgeschichte hält, entstehen die wegweisenden Alben «In a Silent Way» und «Bitches Brew» – ein neuer Musikstil erobert den Jazz. Davis kreierte so eine elektrisierende Mischung aus Jazzrock, Fusion-Jazz, Electric Jazz sowie Elementen der Weltmusik durch die indischen Instrumente Sitar und Tabla.

HÖHEN, TIEFEN UND DIE BESONDERE LIEBE ZU FERRARI
Miles Davis spielte nicht nur auf der Bühne nach seinen eigenen Regeln. Auch privat lebte er exzessiv und schier grenzenlos. Dreimal war er verheiratet, stürzte mehrfach ab, gab sich Dogenexzessen hin und feierte immer wieder ein fulminantes Comeback. Einschneidend war sein Rückzug Mitte der 70er Jahre, über dessen Gründe der Musiker einst sagte: «Gelangweilt, das ist das Wort. So gelangweilt, dass du gar nicht mehr wahrnimmst, was Langeweile überhaupt ist. Ich ging vier Jahre nicht aus dem Haus.» Und schaffte den Aufstieg dann doch wieder. 1980 ist Miles Davis zurück. Er etabliert sich als Held der Pop-Kultur, avanciert zum Kunstprodukt, bastelt am eigenen Mythos und mischt wieder neue Sounds zusammen.
Dabei war er nicht nur für seine Musik berühmt. Auch sein ausgeprägtes Modebewusstsein und seine Liebe für schöne Autos sorgten immer wieder für Gesprächsstoff. Bereits in den frühen 60er Jahren besass Davis mehrere Luxusautos, darunter zwei Ferraris. Später zählte der rote 275 GTB/4 von 1967 zu seinen Lieblingsmodellen.

Legendär seine Auftritte in seinem gelben Ferrari Testarossa, der über einen 4,9-Liter-Boxermotor mit 390 PS und ein 5-Gang-Schaltgetriebe verfügt und über den er einmal sagte: «Weil ich einen gelben Ferrari für 60.000 Dollar habe, schwarz bin und in einem Haus am Strand von Malibu wohne, hat mich die Polizei schon dreimal angehalten.»

SEIN VERMÄCHTNIS
Bis zum Sommer 1991 blieb Miles Davis aktiv. Fünf seiner insgesamt neun Grammys gewann er in seiner letzten Schaffensdekade, zwei posthum. 1984 erhielt er als erster Jazzmusiker den bis dato klassischen Interpreten vorbehaltenen, renommierten «Leonie Sonning» Musikpreis. Am 28. September 1991 starb Miles Davis in Kalifornien an den Folgen einer Lungenentzündung und eines Schlaganfalls. Wie bei vielen Stars umranken den Tod einige Mythen – der schwere Schlaganfall, nachdem er ins Koma fiel und nicht mehr erwachte, soll Folge eines Streits mit seinem behandelnden Arzt gewesen sein.