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Sandra Button

Editorial  

Sandra Button begann ihre Karriere vor über 30 Jahren als Leiterin für «Special Events» bei der Pebble Beach Company,
die neben Golfturnieren und anderen besonderen Veranstaltungen auch den Concours durchführte.
Im Jahr 1990 überzeugte Button das Management davon, eine Abteilung zu gründen,
die sich ausschliesslich dem Concours widmen sollte, und wurde in der Folge deren Geschäftsführerin.
Nachdem sie 2002 Co-Präsidentin geworden war, übernahm sie drei Jahre später schliesslich ganz die Führung.
Inzwischen zählt dieser Schönheitswettbewerb zu einem der wichtigsten Termine
im Kalender von Autobegeisterten rund um den Globus.

B.I. COLLECTION: Der Pebble Beach Concours d’Elegance ist enorm gewachsen. Welcher treibende Faktor spielte bei dieser Entwicklung eine bedeutendere Rolle: die grössere Internationalität und Reichweite oder die Erweiterung des Wettbewerbs über klassische Automobile hinaus, also seine jüngste Rolle als Lancierungsplattform für neue Wagen?

 

SANDRA BUTTON: Mit ihrer Leidenschaft für das klassische Automobil haben Sammler den Pebble Beach Concours 1950 ins Leben gerufen. Diese Leidenschaft ist bis heute ungebrochen und zusammen mit den sich wandelnden Wünschen der Auto-Begeisterten, die treibende Kraft hinter unserem Wachstum. Da sich Präferenzen und Interessen verändern, sind wir dazu angespornt, immer neue Segmente des Sammlermarktes zu präsentieren, und das hat uns geholfen noch mehr Enthusiastinnen und Enthusiasten auf der ganzen Welt zu erreichen. Gleichzeitig begeistern sich Oldtimer-Liebhaberinnen und -Liebhaber oft auch für neue Autos. Unsere ersten Konzeptfahrzeugpräsentationen wurden mit so viel Enthusiasmus aufgenommen, dass wir heute über eine gut etablierte Konzeptbühne verfügen, auf der die aktuellsten Automodelle wie auch Designs der Zukunft gezeigt werden. Dies hat mehr Hersteller dazu angeregt, an unserer Veranstaltung teilzunehmen, was uns wiederum zu noch mehr Wachstum verholfen hat.

 

BIC: Die USA sind der grösste Markt für Sammlerautomobile. Dabei handelt es sich vermutlich um einen der ältesten Märkte dieser Art, mit einer sehr soliden Basis an Sammlerinnen und Sammlern. What about the new markets? Middle East? China?

 

SB: Wenn ich auf Reisen bin – was hoffentlich bald wieder öfter der Fall sein wird –, freue ich mich immer riesig, wenn ich sehe, wie rasch Gemeinschaften von Automobilbegeisterten in jüngster Zeit fast überall auf der Welt gewachsen sind: in Indien, Japan, China, dem Nahen Osten und Südamerika. Manche dieser Länder, wie zum Beispiel Indien, blicken auf eine lange Geschichte mit grossartigen, eleganten und bedeutenden Automobilen zurück, eine Geschichte jedoch, die bei uns – und vielleicht auch in Indien selbst – teilweise in Vergessenheit geraten ist. Da gibt es viel wiederzuentdecken – und mit anderen Autobegeisterten zu teilen! In anderen Ländern ist die Wertschätzung für grandiose Autos und ihre Geschichte vergleichsweise neu – es könnten aber gerade diese Länder diejenigen sein, die mit der Entwicklung neuer Technologien und Designs den Weg in die automobile Zukunft weisen.
Die Leidenschaft für Autos kennt keine Grenzen. Das ist etwas, was mir an Autos besonders gefällt; sie eröffnen uns neue Welten und bringen uns zusammen.

 

BIC: Haben Sie in Pebble Beach auch schon Sammlerinnen und Sammler aus der Schweiz angetroffen? Erinnern Sie sich an lustige Begegnungen mit Sammelnden aus der Schweiz, Anekdoten, die Sie erzählen können?

 

SB: Oft fällt mir auf, dass die Schweiz trotz ihrer relativ geringen Grösse und ihrem teilweise erschreckend steilen Gelände einen riesigen Einfluss auf die Autowelt hat.
In der Schweiz sind einige der wichtigsten Sammlerinnen und Sammler und einige der bedeutendsten Sammlungen weltweit zuhause. Wir freuen uns, dass wir schon mehrere dieser Leute mit ihren Schätzen zu unserem Wettbewerb begrüssen durften. Hinzu kommt, dass die Schweiz über ein gut etabliertes Netzwerk anerkannter Restaurateurinnen und Restaurateure, Automobilforscher und -agentinnen verfügt. Auch war die Schweiz bereits mehrere Male Schauplatz für wunderbare Rennen, Rallys und Ausstellungen. And then there’s the Geneva Auto Show. Need I say more?
Ich habe regelmässig mit Leuten aus der Autowelt zu tun, die eine Verbindung zur Schweiz haben. Wenn ich von den Enthusiastinnen und Enthusiasten spreche, die uns beeinflussen, zählen viele dazu, die aus der Schweiz stammen.
Sie werden lachen, aber wenn Sie mich nach einer lustigen Anekdote in Zusammenhang mit Autos und der Schweiz fragen, kommt mir als Erstes ein Galaabend während des Concours im Jahr 1998 oder 99 in den Sinn: Unser Koch, Beat Giger, der aus der Schweiz stammt und während der vergangenen beiden Jahrzehnte als Küchenchef für «Special Events» in Pebble Beach fungierte, war gerade mit den letzten Handgriffen am Buffettisch beschäftigt, als es plötzlich krachte und ein Tischbein brach. Sein ganzer Stolz, eine riesige Oldtimer-Eisskulptur, steuerte auf den Boden zu … Beat Giger hechtete ihr entgegen und schaffte es irgendwie, die Skulptur – und den Tisch – festzuhalten, bis Hilfe kam. Von alledem ahnten die Richterinnen und Richter und die Wettbewerbsteilnehmenden nichts, als sie nur wenige Minuten später eintrafen. Bis zu seiner Pensionierung sollte Beat Giger noch öfter den Tag retten. Der scheinbar reibungslose Ablauf des Concours ist also mindestens teilweise auch einem mit Schweizer Präzision arbeitenden Team hinter den Kulissen zu verdanken.

 

BIC: Viele bekannte Rennfahrer und Prominente waren schon an Ihrem Concours. Welche Begegnung mit einer solchen Person hat den grössten Eindruck bei Ihnen hinterlassen?

 

SB: Das ist schwer zu sagen. Wenn ich an Concoursmomente denke, die sich mir besonders eingeprägt haben, dann sind Autos und Menschen in meiner Erinnerung untrennbar miteinander verbunden. Ich denke da an Juan Manuel Fangio und Sir Stirling Moss, die in einem Patent-Wagen von Mercedes-Benz fast umkippten, oder an Nuccio Bertone, als er seine drei BATs zum ersten Mal beisammenstehen sah oder an Sergio Scaglietti, wie er liebevoll über die Tür eines 1954 Ferrari 375 MM Coupé, den er gebaut hatte, strich. Jeder dieser Menschen spielte eine Rolle in der Geschichte dieser Autos, und in ihnen leben wiederum diese Menschen weiter. Das ist das Besondere an Automobilen.
Manche der erwähnten Personen haben ganz wesentliche Beiträge zum Concours geleistet. Dafür sind wir sehr dankbar. An viele von ihnen habe ich zudem sehr schöne persönliche Erinnerungen. Ich zähle Phil und Alma Hill, Sir Stirling und Susie Moss zu meinen guten Freunden. Diese Freundschaften sind für mich besonders kostbar.

 

BIC: Es ist auch heute noch selten, dass eine Frau an der Spitze einer Institution wie dem Concours steht. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich im Rahmen Ihrer täglichen Arbeit und während dem Concours selbst gemacht?

 

SB: Ich glaube, dass die Leidenschaft für Autos keine Grenzen kennt; sie ist weder an Geschlecht, Herkunft, Nationalität noch an einen Glauben gebunden. Ich denke, manche Kinder – und vielleicht sind es öfter Jungs als Mädchen – werden mit Automobilen gross. Dadurch fällt es ihnen später möglicherweise leichter, ihre Liebe für Autos zu verstehen und auszudrücken. In meiner Familie spielten Autos keine besondere Rolle. Mein Vater war Luftfahrtingenieur. Er liebte Golf und meine Mutter liebte ihren Garten. Die Sprache, die mir beigebracht wurde, war also die der Blumen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich erkannte, wie sehr ich Autos liebte und bis ich das auch ausdrücken konnte.
In der Concourswelt hatte ich Glück; insbesondere in Lorin Tryon und Jules «J» Heumann fand ich grossartige Mentoren. Mit ihrer Hilfe konnte ich ­meine Fähigkeiten und Fertigkeiten verfeinern, um schliesslich einen globalen Automobilanlass organisieren und leiten zu können. Dank ihnen konnte ich zudem die ersten wichtigen Kontakte und persönlichen Beziehungen knüpfen, die heute die Grundlage für mein Wirken innerhalb dieser Welt bilden.

 

BIC: Wie sieht es mit den Autoliebhaberinnen aus? ­Beobachten Sie eine wachsende Anzahl Frauen, die Oldtimer sammeln oder an Rallys und anderen Fahranlässen teilnehmen?

SB: Ich denke, es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass Autos uns alle erfreuen und zusammenbringen können – und ich hoffe, diese Entwicklung setzt sich fort.

BIC: Natürlich möchten wir noch wissen, wie sich die Covid-Pandemie auf den Concours ausgewirkt hat. Welche wirtschaftlichen und anderen Folgen für die Zukunft des Concours sind zu verzeichnen?

SB: Den Anlass 2020 absagen zu müssen war herzzerreissend und wir wissen, dass eine Vielzahl von Menschen und Organisationen davon betroffen waren. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf das 70-Jahre-Jubiläum der Veranstaltung in diesem Monat. Ich möchte mich bei allen Autobegeisterten dafür bedanken, dass sie, obwohl der Concours im letzten Jahr nicht stattfinden konnte, mit uns gemeinsam beträchtliche Summen zur Unterstützung unserer Conocourshilfswerke gesammelt haben. Darin zeigte sich, wie grosszügig und fürsorglich die Gemeinschaft der Autosammlerinnen und Autosammler sein kann. Mir führte dies deutlich vor Augen, dass es bei einem Concours mindestens genau so sehr um Menschen wie um Autos geht.

BIC: Im Jahr 2020 haben Sie die Online-Publikation Insider lanciert, die an eine sorgfältig zusammengestellte E-Mail-Liste von über 15’000 Abonnentinnen und Abonnenten versandt wird. Was hat den Anstoss zu dieser Publikation gegeben?

SB: Als uns klar wurde, dass wir uns nicht persönlich würden treffen können, wollten wir Gleichgesinnten eine Möglichkeit bieten, sich trotzdem irgendwie zusammenzufinden, um ihre Begeisterung für das Auto zu teilen und zu feiern – so wie sonst am Concours. Wir beschlossen, dies mit einer digitalen Publikation zu tun. Manche Organisationen veranstalteten virtuelle Concours. An einigen davon habe ich auch teilgenommen, aber mein Herz sagt mir, dass ein Concours persönlich erlebt werden muss.

BIC: In Europa wächst der politische Druck auf die Automobilindustrie und auf das Automobil an sich – oft aus ökologischen Gründen. Jüngere Generationen sind nicht mehr so versessen aufs Autofahren. Welche Auswirkungen wird das auf den Markt für Oldtimer und insbesondere auf den Concours haben?

SB: Wir befinden uns definitiv in einer Zeit des Umbruchs und die Zukunft wird zweifellos anders aussehen. Vielleicht ist der Concours der Zukunft einer der seltenen Anlässe und Orte, wo Menschen das Automobil sehen und fahren und ihr automobiles Erbe würdigen können. Inzwischen ist es wichtig, die Themen zu kennen und zu verstehen, die sich auf die Autoentwicklung und die Freude am Auto auswirken. Ich glaube daran, dass Autos in der einen oder anderen Form überleben werden und dass ihre Geschichte immer wichtig sein wird.

BIC: Was können Sie uns über Ihre eigene Sammlung erzählen? Welches ist Ihr Lieblingsauto? Und wie häufig fahren Sie es?

SB: Mein Mann Martin und ich sammeln Autos jeweils zu einem spezifischen Zweck – meistens für eine bestimmte Rally oder Tour. Mein Lieblingsauto ist also immer ein anderes; je nachdem, wohin wir als Nächstes fahren.

BIC: Haben Sie sonst noch Beziehungen oder Bezüge zur Schweiz? Wie häufig kommen Sie nach Europa?

SB: Normalerweise bin ich während etwa acht oder neun Monaten im Jahr unterwegs – davon verbringe ich die meiste Zeit auf dem europäischen Festland oder in Grossbritannien. Die Schweiz durchquere ich jedes Jahr mehr als einmal.

Sandra Button ist stolz darauf, dass auch philanthropisches Engagement zum Concours gehört. Als der Concours in den 1950er-Jahren erstmals stattfand, wurde mit dem Verkauf von 1-Dollar-Programmheften Geld für örtliche Hilfswerke gesammelt. Im letzten Jahr beliefen sich die Spenden auf 1,2 Millionen US-Dollar, wovon das Meiste wieder dem Bezirk Monterey zugutekam. Dieses Jahr hofft Button die 2-Millionen-Marke zu erreichen.

BIC: Wofür werden die gesammelten Spendengelder eingesetzt?

SB: Unsere Hauptpartnerin ist die Pebble Beach Company Foundation, eine Stiftung, deren Tätigkeit sich vor allem auf die Bereiche Jugend und Bildung konzentriert. Mit unseren Spenden unterstützen wir über 95 Organisationen, die sich ebenfalls diesen Themen widmen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung konnten wir drei Stipendienfonds einrichten, die nach Phil Hill, J. & Sally Heumann und John Lamm benannt sind und mit denen Studierende der Bereiche Automobilrestauration, Design und Kommunikation unterstützt werden.

BIC: 2020 hätte der Concours sein 70. Jubiläum gefeiert  – 35 Jahre davon mit Ihnen an seiner Spitze. Wegen der Pandemie wurde der Anlass abgesagt. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

SB: Ich möchte diesen bevorstehenden Concours, mit dem wir nun unsere 70 Jahre feiern – und ich meine 35 als Veranstaltungsleiterin –, einfach in vollen Zügen geniessen. Sicher, ich bin nun schon das 36. Jahr dabei und ich weiss, dass es irgendwann Zeit wird, die Übergabe ins Auge zu fassen – aber ein Übergang kann sich durchaus über Jahre hinziehen.

BIC: Am 15. August 2021 soll also der Concours d’Elegance stattfinden – und das, wie gesagt, zum 70. Mal. Wie ist der Stand der Dinge? Inwiefern wird sich die Veranstaltung in diesem Jahr von anderen unterscheiden?

SB: Wir haben unser Showgelände erweitert und möchten sämtliche Massnahmen befolgen und die Vorschriften einhalten, um Teilnehmende und Publikum zu schützen. Wir sind dankbar, dass der Concours wieder stattfinden kann. Und wir wissen, dass das Bedürfnis, sich wieder zu treffen, unter den Auto­­freunden gross ist; Wettbewerbsteilnehmende, Mitglieder der Jury, das Publikum, die Sponsoren – sie alle haben ein verstärktes Interesse daran bekundet, im August nach Pebble Beach zu kommen, um das Auto zu zelebrieren.